Erscheinungsformen der TrauerFrau hinter Gittern

Trauer und Angst

Durch einen Todesfall oder eine andere schwerwiegende Verlustsituation verändert sich unser Leben radikal.
Die gewohnten Lebensumstände, die uns bisher Sicherheit vermittelten, gibt es nicht mehr. Das macht Angst, wie alles Neue und ist nur zu verständlich.
"Wie geht es weiter? Werde ich mit der neuen Situation zurechtkommen?", fragen wir uns. "Was ist, wenn…?"
Es kann hilfreich sein, diese Ängste einem vertrauten Menschen gegenüber zu äußern und mit ihm nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Halten die Ängste dennoch an und hindern sie daran, den Alltag zu bewältigen, oder treten über längere Zeit Schlafstörungen auf, so ist therapeutische Hilfe gefragt.

(Link setzen zum allgemeinen Angst-Info der Startseite)

Trauer und Schuld

Oft fragt man sich im Zusammenhang mit einem Todesfall oder einer anderen Verlustsituation, "ob dies nicht zu vermeiden gewesen wäre…".
Besonders Kinder, die nur einen kleinen Teil der Realität erfassen und über die Zusammenhänge nicht informiert wurden, weil man sie nicht belasten wollte,
empfinden den Tod eines geliebten Menschen - oder auch die Trennung der Eltern- völlig zu Unrecht als eigenes Versagen.
Dann kommt zu dem Verlustschmerz der Trauer auch noch das Gefühl der Schuld.
Es ist sehr wichtig, sich selbst, bzw. den Kindern in einem solchen Fall deutlich zu sagen: " Es gibt keine Schuld. Du kannst nichts dafür. Denn du hast es nicht gewollt."


Trauer und Wut

Überraschender Weise löst die Nachricht von einem Todesfall oft Wut aus:
Wut auf den Menschen, der uns mit seinem Tod allein gelassen hat.
Aber darf man auf einen Toten überhaupt wütend sein?
Viele Menschen empfinden aufgrund ihrer Wut, die sie nicht verstehen, Schuldgefühle. " Ich sollte trauern! Wut ist hier nicht angebracht!", denken sie.
Aber auch Wut ist heilsam, denn durch sie kommen wir in Kontakt mit unserer Trauer: Wenn der Verstorbene uns gleichgütig wäre, wären wir nicht wütend.
Wut ist also eine Emotion, mit der uns unsere Seele zeigen will:
"Der Verstorbene hatte eine Bedeutung für Dich!"
Wut kann also die "Brücke" zur Trauer sein.
Es gilt, diese Wut auszudrücken, um an die wahren Gefühle der Trauer heranzukommen. Denn es ist wichtig, den Verlustschmerz zuzulassen. Erst dann kann die Seele Heilung finden.


Vorweggenommene Trauer

Es kann sein, dass eine lange chronische Erkrankung uns bereits deutlich zeigt,
dass der Verlust eines geliebten Menschen bevorsteht. In diesem Fall ist es ganz natürlich, dass wir uns bereits im Vorfeld mit der Trennung und dem Abschied von diesem Menschen auseinander setzen.
Viele Tränen fließen dann schon, bevor derjenige gestorben ist. Oft hat man dann ein "schlechtes Gewissen", weil man nicht mehr an die Heilung des anderen glaubt. Aber Gefühle lassen sich nicht zwingen. Unsere Seele weiß um den bevorstehenden Verlust und bereitet sich auf ihre Art darauf vor.


Übergangene Trauer

Es gibt Situationen, in denen der Alltag uns einfach keine Zeit zum Trauern lässt. Ein schwerer Verlust ist da, wird kurz realisiert -, und man geht "zur Tagesordnung über", - weil die Pflicht ruft.
Trauer lässt sich aber nicht "vermeiden". Wenn sie nicht wahrgenommen und gelebt wird, sucht sie sich andere Möglichkeiten, um sich auszudrücken.


Phasen der Trauer

Die TreppeVon dem Moment an, in dem man zumersten Mal von einem (bevorstehenden) Verlust erfährt, bis zu dem Zeitpunkt, an dem man ihn endlich als unumgängliche Tatsache akzeptiert und seinen Frieden damit macht, befindet sich die Seele in einem "Ausnahmezustand".
Vom Abgewöhnen dessen, was nicht mehr sein kann wie zuvor, - bis zu dem vorsichtigen "Herantasten" an neue Möglichkeiten des Weiterlebens ohne den geliebten Menschen, geht die Seele durch verschieden Phasen der Trauer.

1. Die" Phase des Schocks"

Man fühlt sich wie gelähmt, will das, was man erfahren hat, nicht wahrhaben und leugnet zunächst einmal die Richtigkeit der erhaltenen Information.
Diese Anfangsphase kann wenige Stunden dauern, oder auch bis zu zwei Tage.
Wichtig: Alle Reaktionen sind zunächst "normal".

2. Die "kontrollierte Phase" der Trauer

Sie versetzt uns in die Lage, wenigstens soweit zu "funktionieren", bis alle Formalitäten der Beisetzung erledigt sind.
Danach erfolgt meist ein totaler Zusammenbruch und ein Gefühlschaos aus Wut, Zorn, Angst, Schuldgefühlen, aber auch Schuldzuweisungen an Ärzte oder den Toten selbst.

Wichtig:
Den Verlustschmerz zuzulassen und alle Gefühle herauszulassen, hilft und heilt. Der Trauernde braucht besonders jetzt eine "Schonzeit".

3. Die "regressive Phase" der Trauer

Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass man Abstand sucht von Freunden und Bekannten und sich ganz zurückzieht, um wieder zu sich selbst zu kommen. Manche Trauernden sind regelrecht apathisch, andere
haben plötzlich Selbstmordgedanken, wieder andere zeigen Formen von Suchtverhalten. Wieder andere werden krank.
Auf diese Weise sucht der Trauernde unbewusst einen "Notausgang"
aus der für ihn unerträglich gewordenen Situation.
Auch wenn dies eine sehr schwierige Zeit für die Umgebung des Trauernden ist, - es ist wichtig, ihn gerade jetzt nicht allein zu lassen in seinem Leid.
Diese Phase ist ein wichtiger Schritt zur Heilung und Wiedererlangung der psychischen Gesundheit.
Hilfe: den Trauernden viel erzählen lassen.

(Link setzen von "Hilfe" zu "wie kann ich einem anderen Beistand leisten in seiner Trauer?)

4. Die "Phase des Akzeptierens"

Der Trauernde hat den Verlust verarbeitet. Das, was gut war an der Beziehung, wird ins eigene Leben integriert, z.B. werden Eigenschaften und Gewohnheiten des Verstorbenen übernommen.
Je nach Veranlagung und Situation kann es zu Wiederholungen einzelner Phasen kommen. Ein Zeitraum von bis zu zwei Jahren wird als durchaus normal angesehen
Ist der Trauervorgang dann noch immer nicht abgeschlossen, ist es sinnvoll, therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

(Link von "therapeutische Hilfe" zu "Wann sollte man therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen"




Ungelebte Trauer macht krank !Frau mit Kissen

In der Zeit um Totensonntag, ist es Tradition, sich an die Menschen zu erinnern, die von uns gegangen sind. Oft spürt man dann wieder den Schmerz des Verlustes, die Einsamkeit, aber auch die Trauer. Man fragt sich "Warum musste das sein?" Auch nach vielen Jahren tut dieses Erinnern noch weh.
Dies kann ein Zeichen dafür sein, dass man noch nicht seinen Frieden gemacht hat, mit dem, was geschehen ist, - dass der Verlust eine Wunde in der Seele hinterlassen hat, die noch immer nicht verheilt ist.
Oft ist der Abschied von einem geliebten Menschen aber auch so traumatisch, dass sich der Mensch vor diesem Schmerz zu schützen versucht. Er lenkt sich mit Äußerlichkeiten ab und glaubt, "tapfer" gewesen zu sein. Gerade Männer, die gelernt haben, ihre Gefühle zu unterdrücken und sich für ihre Tränen schämen, gehen nach einem Todesfall sehr schnell "zur Tagesordnung" über.
Wenn dann nach einiger Zeit eine chronische Erkrankung auftaucht, erkennt kaum jemand den Zusammenhang mit dem ungelebten Schmerz der Seele.
Viele Herzprobleme entstehen aus "Herzeleid", viele Erkrankungen der Verdauungsorgane können ihre Ursache darin haben, dass etwas "an einem nagt", dass man etwas "nicht verdaut hat".
Anderseits heilen viele Erkrankungen plötzlich, wenn ein alter seelischer Schmerz ans Licht kommt und endlich Beachtung finden darf.
Früher war es üblich, sich Zeit zum Trauern zu nehmen, - der Trauer nachzuspüren und sich zu diesem inneren Leid zu bekennen. Und es lag sehr viel Weisheit in diesem Verhalten.
Heute besinnen wir uns erst dann auf die Bedürfnisse unserer Seele, wenn der Körper schmerzt - wenn überhaupt!
Aber auch noch nach Jahren ist es möglich, die ungelebte Trauer zuzulassen und den Schmerz des Abschieds bewusst zuzulassen, so dass Heilung geschehen kann.




Trauer bei Kindern und Jugendlichen

Trauriger JungeAlle Kinder sind immer wieder von Situationen betroffen, in denen sie einen Verlust erleiden und Abschied nehmen müssen: Von geliebten Menschen, z.B. durch Tod, oder Trennung der Eltern, von einem Haustier, oder auch bei einem Umzug oder Schulwechsel.

Trauern ist dann das natürliche Bedürfnis der Seele. Oft aber unterdrücken Kinder dieses Gefühl, das Heilung für ihre Seele bedeuten würde, weil sie ihre Eltern damit nicht noch zusätzlich belasten wollen. Oder sie spüren, dass diese damit nicht umgehen können.

Es erfordert Zeit, innere Stärke und einen gefestigten Glauben bzw. religiöse Grundeinstellungen, um einem Kind in seiner Trauer Beistand und Halt zu geben.
Viele Eltern fühlen sich dem aber nicht gewachsen, weil sie selbst nicht gelernt haben, mit dieser Thematik umzugehen. Denn Trauer, Tod und das "Leben nach dem Tod" sind auch heute noch für viele Menschen ein Tabu.

Kinder, die das Gefühl haben, ihre Trauer nicht zulassen zu dürfen, entwickeln auffällige Verhaltensweisen, werden aggressiv oder ziehen sich in sich selbst zurück, - quasi als "Hilferuf" der Seele. Denn Trauer ist eine "Anpassungs-Reaktion", die gelebt werden muss, damit die Seele sich selbst heilen kann.
Grundsätzlich ist es möglich, auch bereits mit sehr kleinen Kindern über den Tod und das Leben nach dem Tod zu sprechen.

(Link setzen zu dem Workshop für Kinder "Schmetterlinge weinen nicht")